Smart Home

Fire-Tablet als Smart-Home-Panel für Home Assistant

Smart-Home-Panel für Home Assistant (Foto)

Ein anständiges Smart Home braucht ein Bedienpanel. Zu meinen SmartThings-Zeiten (bis Mitte 2021) hatte ich dafür ein altes iPad der vierten Generation an der Wand hängen. Das hätte eigentlich auch gerne aus Gründen der Nachhaltigkeit bei meinem neuen System – Home Assistant – weiter verwendet. Jedoch bin ich da schnell auf ein Problem gestossen. Das iPad kann maximal iOS 10 fahren und da ist der Safari-Browser leider so veraltet, dass er moderne Webseiten wie die Dashboards von Home Assistant nicht mehr korrekt darstellt.

Altes Panel für SmartThings (Foto)
Altes Panel für SmartThings

Ein neues Tablet musste somit her. Es musste aber nicht unbedingt wieder ein iPad sein, da die Anforderungen an ein solches Gerät für ein Panel nicht sehr hoch sind. Im Grunde brauche ich – neben den Bordmitteln wie Systemeinstellungen – eigentlich nur einen Browser. In der Home-Assistant-Community hatte ich schnell mitbekommen, dass die Fire-Tablets von Amazon dort sehr beliebt sind. Also habe ich mir gedacht, warum nicht und mir im Angebot für rund 100 Euro ein „Fire HD 10“ bestellt. 10 steht hier für 10 Zoll, also die gleiche Größenordnung wie mein iPad vorher. Der Bildschirm ist lediglich etwas breiter und dafür ein klein wenig schmaler. Glücklicherweise konnte ich aber meine bestehende Wandhalterung beibehalten.

Beleuchtung-Tab meines Panels (Foto)
Beleuchtung-Tab meines Panels mit der Steuerung für einzelne Räume und ausgewählte Lichtszenen. Bitte anklicken/antippen für größere Version.

Dashboard(s)

Zur Vorbereitung habe ich mir erstmal in Home Assistant ein neues Dashboard speziell für dieses Tablet erstellt. Home Assistant ermöglicht, beliebig viele solcher individuellen Benutzeroberflächen anzulegen. Diese können mehrere Unterseiten haben, umschaltbar über eine Art Tableiste am oberen Rand, die bei mir nur aus Symbolen besteht. Diese Aufteilung ist bei mir auch nötig, da ich die Zeiten, wo alle smarten Geräte auf eine Bildschirmseite passen, längst hinter mir gelassen habe. Im Gegensatz zu meinem normalen Dashboard, welches im Wesentlichen nach Räumen unterteilt ist, habe ich für das Panel eine funktionale Gliederung gewählt. So gibt es u.a. Unterseiten für Beleuchtung, Messwerte, Sicherheit, Batterien und Wetter. Die Seiten sind so gestaltet, dass nicht gescrollt werden muss.

Wetter-Tab meines Panels (Foto)
Wetter-Tab meines Panels mit Vorhersage, Wind- und Niederschlagskarte, aktuellen Messwerten meiner Station (Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Niederschlag) und Wetterwarnungen vom DWD. Bitte anklicken/antippen für größere Version.

Eine Dashboard-Unterseite kann übrigens auch eine beliebige externe Webseite sein. Dafür gibt es eine spezielle sogenannte Webseiten-Karte. Ich nutze dies für mein Panel, um mir die aktuellen Abfahrten meiner nächstgelegenen Straßenbahn-Haltestelle anzuzeigen. Enorm praktisch!

Abfahrtstafel für die naheliegende Straßenbahn-Haltestelle (Foto)
Abfahrtstafel für die naheliegende Straßenbahn-Haltestelle. Bitte anklicken/antippen für größere Version.

Auch habe ich eigens für mein Panel einen separaten Home-Assistant-Benutzer erstellt, der keine Admin-Rechte hat. Da das Tablet ohne PIN-Schutz eingerichtet ist, erschien mir dies sinnvoll.

Medien-Tab meines Panels (Foto)
Medien-Tab meines Panels mit Steuerung des Sonos-Systems und des Apple TV. Bitte anklicken/antippen für größere Version.

Einrichtung

Nun hätte ich das Tablet einfach an die Wand hängen und dann den integrierten Browser öffnen können, um mich dort mit dem speziellen Benutzer im Webinterface von Home Assistant anzumelden. Allerdings habe ich mich für eine etwas elegantere Lösung entschieden. Es gibt eine recht geniale App namens „Fully Kiosk Browser„, die man auch auf dem Fire-Tablet installieren kann. Diese kostet in der Vollversion (Plus-Lizenz) pro Gerät schlanke 6,90 €.

Dazu muss man das Tablet in den sogenannten Developer-Modus bringen. Dieser ermöglicht die direkte Installation von Programmpaketen (APK-Dateien) ohne App-Store (oder besser gesagt Play Store). „Fully Kiosk Browser“ hat gegenüber „normalen“ Browsern eine ganze Reihe Vorteile, u.a.:

  • Beschränkung auf bestimmte Webseiten
  • Autostart beim Booten
  • Umgehung des Lockscreens
  • Fernwartbarkeit von einem anderen Rechner
  • Einschalten des Bildschirms bei Bewegungserkennung durch die Kamera des Tablets
  • Ausschalten des Bildschirms bei Inaktivität

Hier ermöglichst das drunterliegende Android-System definitiv ein paar Dinge, die so unter dem recht abgeschotteten iPadOS nicht möglich sind.

Laden tue ich mein Fire-Tablet über eine Smart-Home-gesteuerte Steckdose. Diese ist in der Nacht und bei Abwesenheit nicht in Betrieb.

Home-Assistant-Integration

Hier hört der Spaß aber noch nicht auf, denn Home Assistant kommt mit einer fertigen Integration für den „Fully Kiosk Browser“. Diese ermöglicht u.a.:

  • Nutzung des Fire-Tablets als Media-Player
  • Auslesen des Akkustands
  • Setzen der aktuellen URL
  • Ein- und Ausschalten des Bildschirms

Das Fire-Tablet wird somit quasi zu einem weiteren Smart-Home-Gerät innerhalb des Systems.

Haushalt-Tab meines Panels (Foto)
Haushalt-Tab meines Panels mit Abfall-Abfuhrterminen, Einkaufsliste, Haushaltsgeräte und Energieverbrauch. Bitte anklicken/antippen für größere Version.

Fazit

Home Assistant bietet weit mehr Möglichkeiten, ansprechende Dashboards zu gestalten, als z.B. SmartThings oder auch HomeKit, wo im Wesentlichen Kacheldarstellungen der verschiedenen Geräte oder Szenen möglich sind. In Verbindung mit einem Fire-Tablet wirkt das Ganze noch eleganter, da sich das Panel beim Vorbeigehen automatisch „wie von Geisterhand“ einschaltet. Die Investition bestehend aus Tablet, Wandhalterung, smarter Steckdose und Kiosk-Software ist dabei überschaubar. Das alte iPad steht jetzt übrigens als digitaler Bilderrahmen im Wohnzimmerregal.

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Ich arbeite seit 2008 mit iPhones und Mac-Computern und habe inzwischen Hunderte von Automatisierungen erstellt. Gerne stelle ich mein Wissen zur Verfügung! Weitere Infos hier.

Über den Autor

Markus Jasinski

Markus Jasinski ist ein Rostocker Unternehmer, Naturwissenschaftler, IT-Spezialist, Autor, Coach, Dänemark-Fan, überzeugter Radfahrer und nicht zuletzt „Computer Geek“ und Smart-Home-Enthusiast. Sein erstes iPhone kaufte der promovierte Naturwissenschaftler im Jahre 2008, kurze Zeit später wurde er dann auch zum Mac-Nutzer. Nach und nach gesellten sich iPad, Apple TV und Apple Watch hinzu.

Um diese vielfältigen Interessen und Aktivitäten "unter einen Hut" zu bekommen befasst sich der gebürtige Westfale seit über zehn Jahren mit den Themen Selbstorganisation und Aufgabenmanagement, die ebenfalls ein Schwerpunkt dieses Blogs sind.

8 Kommentare

  • Hallo Markus,
    sehr guter Beitrag! Ich habe auch ein Fire HD 10 nach deiner Anleitung installiert. Habe festgestellt, das der Akku schnell leer ist, wenn ich die Bewegungserkennung aktiviere. Hast du für das Tablet eine Automatisierung zum Laden und De-Aktivieren der Bewegungserkennung erstellt, bzw. kannst du mir dazu einen Tipp geben.

    VG Detlef

    • Hallo Detlef, ich betreibe mein Smart-Home in drei Zuständen „Zuhause“, „Nacht“ und „Abwesend“. Geladen wird über Automatisierungen (smarte Steckdose) ausschließlich im Modus „Zuhause“. Das reicht bei mir aus, um das Tablet nahe 100% zu halten. Bewegungserkennung habe ich immer aktiviert.

  • Hallo Markus,
    vielen Dank für die Antwort. Wenn ich das richtig verstehe, dann schaltest du im Modus „Zuhause“ die smarte Steckdose in Abhängigkeit des Ladezustandes?

    • Nein, viel einfacher: Modus wechselt nach „Zuhause“ -> Steckdose an, Modus wechselt zu „Abwesend“ oder „Nacht“ -> Steckdose aus. Den Ladezustand beachte ich dabei nicht und bin bisher in keine Probleme hineingelaufen.

  • Hallo Markus,

    wie hast Du es geschafft, die HA-UI in (nur) zwei Spalten aufzuteilen? Bei mir legt HA keine so breite Spalten auf meinem 10″-Tablet an. Könntest Du mal Deine yaml-Datei uploaden?

    Ich danke Dir.

    VG: Lars

    • Hallo Lars, das sind zwei Grid-Karten, die weitere Grid-Karten enthalten. Ansonsten keinerlei Besonderheiten oder Kniffe.

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