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Fantastical 3 erschienen

Fantastical 3

Nachdem Fantastical, eine Kalender-App, die ich schon sehr lange einsetzte, eine gefühlte Ewigkeit auf Version 2 verblieben ist, gab es Ende Januar ein großes Update: Version 3 bringt nicht nur zahlreiche neue Funktionen, sondern kommt auch mit einem neuen Geschäftsmodell.

Bisher gab es einen Einmalpreis pro Plattform (macOS, iOS und iPadOS, die watchOS-App kommt mit der iOS-Version). Dieser wurde allerdings nur selten fällig, weil es wie gesagt bisher nur zwei Hauptversionen gab. Und das obwohl, zumindest die macOS-Variante schon seit 2011 auf dem Markt ist. Dass dies kein tragfähiges Geschäftsmodell ist, sollte jedem klar sein. Zumal der Smartphone-und Computer-Markt ihren Höhepunkt überschritten haben, so dass kein Wachstum mehr oder weniger automatisch Neukunden generiert. Alle Grundfunktionen wie das Hinzufügen, Bearbeiten und Löschen von Terminen und Aufgaben sind nun kostenlos. Damit kommen Neukunden erstmals kostenfrei in den Genuss der leistungsfähigen Termineingabe in natürlicher Sprache, z.B: „Lauftraining jeden Mi und Fr um 18 Uhr vom 1.2. bis zum 31.3.“.

Der Funktionsumfang ist jetzt übrigens auf allen Plattformen (von der Watch mal abgesehen) weitestgehend identisch, was vorher nicht der Fall war. Die Trennung zwischen einer iPhone- und einer iPad-App wurde aufgehoben.

Abo-Modell

Alles, was über den Grundumfang hinausgeht, wird nun nach dem Abo-Modell abgerechnet. Dieses ist unter Nutzern sowohl bei Fantastical als auch generell höchst umstritten. Ich habe dieser Problematik im letzten Jahr einen eigenen Artikel gewidmet. Dessen Inhalt kann ich an dieser Stelle natürlich nicht wiederholen, aber es gibt im App Store und damit generell auf Apples mobilen Plattformen kein Update-Pricing. Nach meiner Einschätzung wird dies auch in absehbarer Zeit nicht kommen. Apple höchst selbst propagiert Abos als das Geschäftsmodell der Wahl in seinen Software-Stores.

Abo-Software hat, auch das könnt ihr im verlinkten Artikel nachlesen, Vor- und Nachteile für den Nutzer. Letztendlich hängt alles am Monatspreis und wie intensiv man eine Software einsetzt. Die monatlichen Kosten sind mit 5,49 Euro hier recht hochgegriffen. Mit einem Jahresabo sinken sie zwar auf 3,67 Euro, dafür bindet sich der User allerdings auch gleich 12 Monate. Bei Preisen in dieser Größenordnung sollte man schon ein regelmäßiger und auch intensiverer Nutzer der Apps sein. Jedenfalls geht der Hersteller hier deutlich über das hinaus, was andere Abo-Apps aus meinem Get-Organized-Bereich wie Drafts oder MindNode kosten. Wie bei diesem Geschäftsmodell üblich umfasst der Monatspreis die Nutzung auf allen unterstützen Plattformen. Es gibt auch ein 14-tägiges Probeabo, welches einen Einblick in alle Features ermöglicht, ohne dass Kosten anfallen.

Problematisch wird es auf jeden Fall noch, wenn man nur auf einer Plattform, beispielsweise dem iPhone, unterwegs ist. Das würde am Abo-Preis nichts ändern, der dann aber doch vergleichsweise ein wenig sehr hoch ist (Danke an @ibaetze für den Hinweis!).

Bestandsschutz

Durch die Umstellung gehen bisherigen Nutzern keine Funktionen auf der jeweiligen Plattform verloren. Sie kommen sogar in den Genuss von ein paar Neuerungen. Allerdings wird an vielen Stellen darauf hingewiesen, dass weitere Features in der „Premium“ genannten Abo-Version zur Verfügung stehen. Das ist aus Sicht der Entwickler natürlich verständlich, stört aber aus Usersicht, sobald ein Nutzer sich bewusst gegen die Premium-Version entschieden hat. Wie auch immer, der Funktionsumfang für Fantastical-2-Benutzer liegt zwischen der Free- und der Premium-Version, so dass diese weiterhin von bereits geleisteten Zahlungen profitieren.

Neue Funktionen

Da ich Fantastical als meinen aktiven Kalender verwende, kann ich leider aus Datenschutzgründen nicht so viele Screenshots zeigen wie sonst bei einem Artikel dieser Länge. Ich bitte um Verständnis.

Von der ganzen Abo-Diskussion mal abgesehen ist Fantastical ein hervorragender Kalender der Oberklasse. Man merkt Fantastical 3 seine lange Entwicklungszeit an. Plattformübergreifend betrachtet wirkt die Software wie aus einem Guss und zeichnet sich durch ein elegantes und modernes Design aus. Viele der Neuerungen benötigen allerdings die Premium-Version.

Terminvorschläge

Eine der größeren und für mich sehr spannenden Neuerungen sind Terminvorschläge. D.h., eine Veranstaltung kann nun an gleich mehreren Terminen eingetragen werden:

Terminvorschläge in Fantastical

Die Teilnehmer erhalten dann vom Fantastical-Server eine E-Mail-Einladung und können zwischen den Vorschlägen wählen. Findet sich ein Termin, an dem alle können, wird dieser endgültig im Kalender eingetragen. Andernfalls werden wir informiert, dass keiner der Vorschläge gepasst hat. Wieviele E-Mail-Wechsel oder Telefonate das einsparen kann, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Die Funktion macht auch andere Abstimmungstools überflüssig. Die Einzuladenden brauchen übrigens kein Fantastical, die Abstimmung erfolgt über eine Webseite, die allerdings noch eine Internationalisierung vertragen könnte.

Dieses Feature ist übrigens eines der Gründe, warum der neue Fantastical-Account eingeführt wurde. Es ist natürlich unschön, noch ein weiteres Konto „an der Backe“ zu haben. Aber bei zusätzlicher webbasierter Funktionalität leuchtet mir das sogar ein. Auf Nachfrage teilte mir Flexibits, der Anbieter von Fantastical, mit, dass der Account DSGVO-konform implementiert ist (u.a. mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung).

Vorlagen

Eine weitere Neuerung, für die ich bisher separate Apps oder Kurzbefehle verwendet habe, sind Vorlagen. Vorhandene Termine können per Kontextmenü als Vorlage gespeichert werden und stehen beim Hinzufügen neuer Termine direkt zur Auswahl:

Vorlagen in Fantastical

Sie übernehmen automatisch Titel, Zeitrahmen, Ort und andere Daten vom ursprünglichen Original. Somit kann bei Eingabe neuer Termine, die es so ähnlich schon gab, Zeit eingespart werden.

Anreisezeiten

Fantastical unterstützt jetzt auch Anreisezeiten zu einem Termin und erinnert daran, rechtzeitig aufzubrechen. Die Zeit kann Fantastical selbst ausrechnen, sie kann aber auch anhand eigener Erfahrungswerte selbst festgelegt werden. Das ist für mich als Radfahrer sehr nützlich, da Apples Routenplanungen unverständlicherweise immer noch keine Zeiten per Fahrrad ausrechnen können. Wer sich gerne so umweltfreundlich wie der Konzern aus Cupertino gibt, sollte hier vielleicht endlich mal nachbessern.

Interessante Kalender

Neben den eigenen Kalendern können nun eine ganze Reihe vorgefertigter Kalender hinzugefügt werden. Darunter z.B. Schulferien oder die Spiele des Lieblingsvereins:

Interessante Kalender in Fantastical
Weitere Funktionen
  • Fantastical 3 hat eine gute Zeitzonen-Unterstützung. Es gibt z.B. eine alternative Zeitleiste in der Tages- und Wochenansicht.
  • Für die kommenden 10 Tage (freie Version: 3 Tage) wird das Wetter direkt im Kalender angezeigt. Gerade bei Außenterminen kann dies bei der Planung hilfreich sein.
  • Ein einzelner Termin kann nun eine andere Farbe bekommen als der zugehörige Kalender. Dies ermöglicht mir, den Kalender übersichtlicher zu gestalten, in dem z.B. dienstliche Termine, die mich nicht betreffen, eine andere Farbe erhalten. In diesem Zusammenhang können einzelne Termine jetzt auch versteckt werden.
  • Die Watch-App funktioniert jetzt auch ohne, dass das iPhone dabei sein muss. Auch hierfür wird nach Angaben des Herstellers das Fantastical-Konto benötigt.

Und das waren immer noch nicht alle Neuerungen. Wir sehen aber denke ich mal schon jetzt, dass Fantastical ein Kalender für vielbeschäftigte Pro-User ist. Ob der Kosten-Nutzen-Faktor für mich persönlich aufgeht, kann ich noch nicht 100%ig sagen. Ich werde es mal ein Jahr ausprobieren und dann erneut entscheiden.

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Über den Autor

Markus Jasinski

Markus Jasinski ist ein Rostocker Unternehmer, Naturwissenschaftler, IT-Spezialist, Autor, Dänemark-Fan, überzeugter Radfahrer und nicht zuletzt „Computer Geek“ und Smart-Home-Enthusiast. Sein erstes iPhone kaufte der promovierte Naturwissenschaftler im Jahre 2008, kurze Zeit später wurde er dann auch zum Mac-Nutzer. Nach und nach gesellten sich iPad, Apple TV und Apple Watch hinzu.

Um diese vielfältigen Interessen und Aktivitäten "unter einen Hut" zu bekommen befasst sich der gebürtige Westfale seit über zehn Jahren mit den Themen Selbstorganisation und Aufgabenmanagement, die ebenfalls ein Schwerpunkt dieses Blogs sind.

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