Apple

Diskussion um iPhone-Hintertüren

Symbolfoto einer Hintertür

Kaum ein anderes Thema hat die internationalen Apple-Nachrichten in den letzten zwei Wochen so sehr bestimmt wie die Diskussion um iPhone-Hintertüren. Daher möchte ich an dieser Stelle einmal ein wenig dazu schreiben.

Das Thema kommt immer dann auf, wenn es in den USA mal wieder einen Amok-Lauf gegeben hat und beim Täter ein gesperrtes iPhone gefunden wurde. Mitglieder der Exekutive fordern dann regelmäßig und medienwirksam eine Entsperrung des iPhones durch Apple. Im aktuellen Fall hat sich dem sogar Präsident Trump, wie üblich via Twitter, angeschlossen. Dabei wird mehr oder weniger bewusst mit den Ängsten der Bevölkerung gespielt, alles diene doch nur einer höheren Sicherheit.

Aber ist das auch wirklich so? Die iPhones sind so konstruiert, dass ihr verschlüsselter Inhalt nur mit dem Kennwort des Besitzers oder seines Fingerabdrucks (ältere Geräte) oder seines Gesichts (neuere Geräte) preisgegeben wird. Werden in diesen Mechanismen Schwachstellen bekannt, schließt Apple diese durch Updates, Beispiele dafür gibt es etliche. Das hat damit zu tun, dass die Daten auf unseren Smartphones in der heutigen Zeit absolut schützenswert sind. Die Geräte enthalten oft weitere Kennwörter, privateste Fotos, Finanzinformationen, Gesundheitsdaten, Bewegungsprofile, Tagebücher, Firmengeheimnisse usw. Ein Telefon weiß u.U. mehr über seinen Besitzer als der Ehepartner. Und der oder die hat immerhin ein Zeugnisverweigerungsrecht.

Alle schützen oder alle gefährden?

Gäbe es eine bewusste Hintertür im iPhone würde diese die Sicherheit und die Privatsphäre aller Nutzer gefährden. Denn niemand kann garantieren, dass das Wissen über die Nutzung der Hintertür bei den Behörden bleibt, für die sie geschaffen wurde. Beispiele für das Raussickern von Informationen aus staatlichen Stellen gibt es mehr als genug. Und schon haben Schurken und Schurkenstaaten Zugang zu den Daten. Und wenn ein Staat eine Hintertür bekommen hat, verlangen andere mit dem gleichen Recht auch eine. Ein Grenzübertritt mit einem Smartphone oder Laptop ist schon heutzutage eine heikle Sache. Aktuell rät der Verfassungsschutz bei Reisen nach China zur Vorsicht.

Es geht hier nicht nur um uns Otto-Normalverbraucher. Hintertüren gefährden auch die Sicherheit von Wirtschaft und Politik. Eine Verschlüsselung mit Hintertür ist letztendlich keine Verschlüsselung. Man sollte immer mal wieder die Parallele zur realen Welt zielen. Wem ein Universalschlüssel zu allen Wohnungen, Geschäften und Banken keine Angst macht, sollte sich wenigstens vor vor einem „Schlüssel zu seinem Gehirn“ fürchten. Nichts anderes sind Smartphones im Grunde genommen heute.

Aus diesen Gründen hat Apple bisher entsprechende Forderungen immer abgelehnt. Überhaupt hat sich der Konzern aus Cupertino ja das Thema Datenschutz und Privacy auf die Fahren geschrieben. Über die Motivation mag man geteilter Meinung sein, ich begrüße es dennoch.

Freiheit vs. Sicherheit

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht mir nicht darum, Straftäter zu schützen. Ermittler haben allerdings heutzutage ohnehin schon mehr Möglichkeiten als jemals zuvor. Und Apple gibt auch regelmäßig, bei entsprechender Legitimation, iCloud-Daten heraus. Aber es gibt in einer freien Gesellschaft auch Grenzen. Wir haben schon sehr viele Freiheiten aufgegeben und ein Sicherheitsapparat wäre sowieso erst zufrieden, wenn jeder einen auslesbaren Chip in sich tragen würde. Es braucht eine ausgewogene Balance zwischen Freiheit und Sicherheit.

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Über den Autor

Markus Jasinski

Markus Jasinski ist ein Rostocker Unternehmer, Naturwissenschaftler, IT-Spezialist, Autor, Dänemark-Fan, überzeugter Radfahrer und nicht zuletzt „Computer Geek“ und Smart-Home-Enthusiast. Sein erstes iPhone kaufte der promovierte Naturwissenschaftler im Jahre 2008, kurze Zeit später wurde er dann auch zum Mac-Nutzer. Nach und nach gesellten sich iPad, Apple TV und Apple Watch hinzu.

Um diese vielfältigen Interessen und Aktivitäten "unter einen Hut" zu bekommen befasst sich der gebürtige Westfale seit über zehn Jahren mit den Themen Selbstorganisation und Aufgabenmanagement, die ebenfalls ein Schwerpunkt dieses Blogs sind.

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